Sommerhitze kann nicht nur Wohnungen aufheizen, sondern auch die Trinkwasserhygiene im Mehrfamilienhaus beeinflussen. Wird Kaltwasser in der Hausinstallation zu warm oder steht Wasser während des Urlaubs über mehrere Tage in Leitungen, können hygienisch ungünstige Bedingungen entstehen. Besonders wichtig sind deshalb drei Punkte: Kaltwasser sollte kühl bleiben, Warmwasser ausreichend heiß sein und Wasser regelmäßig ausgetauscht werden.
Vermieter und Eigentümer sind für den hygienisch einwandfreien Betrieb der Trinkwasserinstallation verantwortlich. Mieter können ihrerseits dazu beitragen, lange Stagnationszeiten zu vermeiden, indem sie sämtliche Wasserhähne und Duschen regelmäßig nutzen und nach längerer Abwesenheit stehendes Wasser zunächst ablaufen lassen.
Im Mittelpunkt steht dabei häufig Legionella. Diese Bakterien kommen natürlicherweise in der Umwelt vor und können sich unter ungünstigen Bedingungen in technischen Wassersystemen stark vermehren. Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem große Trinkwasseranlagen mit umfangreichen Rohrsystemen, Ablagerungen, Biofilme, Stagnation und dauerhaft ungenutzte Leitungsabschnitte.
Die Infektion erfolgt in der Regel nicht durch das Trinken des Wassers, sondern durch das Einatmen fein zerstäubter, legionellenhaltiger Wassertröpfchen, wie sie beispielsweise beim Duschen entstehen können.

Nach längerer Abwesenheit sollte stagnierendes Leitungswasser zunächst ablaufen, bis wieder frisches, kühles Wasser nachfließt.
Warum Sommerhitze die Trinkwasserhygiene beeinflussen kann
Wer bei Legionellen ausschließlich an Warmwasser denkt, übersieht einen wichtigen Punkt: Auch Kaltwasserleitungen können sich erwärmen.
Hohe Raumtemperaturen, aufgeheizte Installationsschächte oder eine ungünstige Führung von Kalt- und Warmwasserleitungen können dazu führen, dass Kaltwasser innerhalb eines Gebäudes deutlich wärmer wird als gewünscht. Steht dieses Wasser gleichzeitig über längere Zeit in der Leitung, können sich die hygienischen Bedingungen weiter verschlechtern.
Deshalb sollten Warm- und Kaltwasserleitungen fachgerecht voneinander getrennt und gedämmt sein. Entscheidend ist nicht allein die Wassertemperatur am Hausanschluss, sondern auch, welche Temperaturen innerhalb der Trinkwasserinstallation tatsächlich auftreten.
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Besondere Aufmerksamkeit verdienen im Sommer Wohnungen und Räume, die längere Zeit nicht genutzt werden. Während einer Urlaubsreise bleiben Dusche, Waschbecken, Küchenspüle oder Gäste-WC möglicherweise über viele Tage unbenutzt. Das Wasser steht dann in den jeweiligen Leitungsabschnitten.
Treffen Stagnation und erhöhte Temperaturen zusammen, können besonders ungünstige Bedingungen entstehen. Das Badezimmer verdient dabei besondere Aufmerksamkeit, weil dort mehrere Entnahmestellen vorhanden sind und beim Duschen Aerosole entstehen.
Legionellen: Welche Temperaturen sind kritisch?
Legionellen vermehren sich nicht bei jeder Wassertemperatur gleich stark.
Besonders günstige Wachstumsbedingungen bestehen ungefähr im Bereich von 25 bis 45 °C. Bei Temperaturen deutlich unter 20 °C ist ihre Vermehrung stark verlangsamt. Mit höheren Temperaturen oberhalb des günstigen Wachstumsbereichs nimmt die Vermehrungsfähigkeit wieder ab.
Bei mehr als 55 °C vermehren sich Legionellen nicht mehr. Temperaturen oberhalb von etwa 60 °C führen zunehmend zur Abtötung der Bakterien.
Daraus ergibt sich eine zentrale Regel für die Trinkwasserhygiene:
Kaltes Wasser sollte kalt und warmes Wasser ausreichend heiß bleiben.
| Bereich | Orientierung | Warum relevant? |
|---|---|---|
| Kaltwasser | möglichst kühl, idealerweise deutlich unter 25 °C | Niedrige Temperaturen erschweren die Vermehrung von Legionellen |
| Kaltwasser, technischer Orientierungswert | 25 °C | Höhere Temperaturen können auf eine unerwünschte Erwärmung hinweisen |
| Besonders günstiger Wachstumsbereich | etwa 25 bis 45 °C | In diesem Bereich finden Legionellen günstige Vermehrungsbedingungen |
| Warmwasser im Leitungssystem | mindestens 55 °C | Oberhalb dieses Bereichs vermehren sich Legionellen nicht mehr |
| Austritt des Trinkwassererwärmers bei entsprechenden Großanlagen | mindestens 60 °C | Dient dem hygienisch sicheren Betrieb des Warmwassersystems |
| Temperaturen über 60 °C | zunehmende Abtötung | Legionellen werden bei ausreichend hohen Temperaturen abgetötet |
Die Temperaturvorgaben erklären zugleich, warum vermeintliches Energiesparen an der falschen Stelle problematisch sein kann. Bei entsprechenden Großanlagen sollten die für einen hygienisch sicheren Betrieb notwendigen Warmwassertemperaturen nicht eigenmächtig abgesenkt werden.
Mieter sollten die Temperatur einer zentralen Warmwasseranlage außerdem nicht mit ihrer persönlichen Duschtemperatur verwechseln. An der Armatur werden heißes und kaltes Wasser auf eine angenehme Temperatur gemischt. Innerhalb der Warmwasserinstallation muss das Wasser aus hygienischen Gründen deutlich heißer bleiben.
Wer sich mit Heiztechnik und Warmwasserbereitung beschäftigt, findet in unserem Bereich Renovieren weitere Beiträge zur Modernisierung von Wohngebäuden.
Nach dem Urlaub: Wann Leitungswasser erst einmal ablaufen sollte
Neben der Temperatur beeinflusst vor allem die Stagnation die Trinkwasserqualität.
Bleibt Wasser über mehrere Tage in einer Leitung stehen, können sich Mikroorganismen vermehren und Stoffe aus den Installationsmaterialien im Wasser anreichern. Besonders betroffen sind Leitungsabschnitte, die nur selten durchströmt werden.
Das muss nicht die gesamte Wohnung betreffen. Typische Beispiele sind:
- das Waschbecken im Gäste-WC,
- eine zweite Dusche,
- eine selten verwendete Badewanne,
- ein zusätzliches Badezimmer,
- Entnahmestellen in nur gelegentlich genutzten Räumen.
Dauerhaft ungenutzte Leitungsabschnitte und sogenannte Totleitungen sind hygienisch besonders ungünstig.
Was Mieter nach dem Urlaub tun sollten
Nach einer mehrtägigen Abwesenheit sollte länger stagnierendes Wasser nicht sofort zum Trinken oder zur Zubereitung von Speisen verwendet werden.
Stattdessen empfiehlt es sich, den Wasserhahn vollständig zu öffnen und das Wasser so lange laufen zu lassen, bis es wieder kühl austritt und sich seine Temperatur nicht mehr spürbar verändert.
Eine pauschale Vorgabe, aus jedem Wasserhahn eine bestimmte Anzahl Liter ablaufen zu lassen, ist wenig sinnvoll. Leitungslängen und Installationen unterscheiden sich von Gebäude zu Gebäude.
Das abgelaufene Wasser muss dabei nicht verloren gehen. Es lässt sich beispielsweise zum Putzen oder zur Gartenbewässerung verwenden.
Bei längeren Betriebsunterbrechungen können weitergehende Maßnahmen erforderlich sein. Eine Wohnung, die über Monate leer stand, ist anders zu bewerten als ein Badezimmer, das lediglich einige Tage nicht benutzt wurde.
Bei Zweifeln am hygienischen Zustand der Installation sollten Vermieter oder Eigentümer einen Fachbetrieb hinzuziehen. Wie Ihr einen geeigneten Betrieb findet, erklären wir im Ratgeber Guten Handwerker finden: So erkennt Ihr seriöse Fachbetriebe.

Auffälligkeiten an Wasserhähnen oder der Trinkwasserinstallation sollten fachlich geprüft werden.
Welche Pflichten Vermieter bei Legionellen haben
In vermieteten Mehrfamilienhäusern liegt die Verantwortung für die Trinkwasserinstallation nicht allein bei den Bewohnern.
Die Trinkwasserverordnung enthält Untersuchungspflichten für bestimmte Gebäudewasserversorgungsanlagen. Relevant sind insbesondere größere Anlagen zur Trinkwassererwärmung.
Zu den entscheidenden Kriterien gehören unter anderem:
- mehr als 400 Liter Inhalt des Trinkwassererwärmers oder
- mehr als drei Liter Leitungsinhalt zwischen dem Abgang des Trinkwassererwärmers und mindestens einer Entnahmestelle.
Hinzu kommen weitere Voraussetzungen, etwa die Nutzung von Einrichtungen, bei denen Aerosole entstehen können.
Bei einer gewerblichen, nicht öffentlichen Abgabe, beispielsweise in vermieteten Wohngebäuden, beträgt das reguläre Untersuchungsintervall bei einer untersuchungspflichtigen Anlage in der Regel drei Jahre.
Für kleinere Anlagen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser gelten diese routinemäßigen Untersuchungspflichten nicht in gleicher Weise. Deshalb ist die pauschale Aussage, jedes Mehrfamilienhaus müsse automatisch alle drei Jahre einen Legionellentest durchführen, nicht korrekt.
Maßgeblich sind Art, Nutzung und Größe der Trinkwasserinstallation.
Weitere Informationen rund um Wohngebäude und Mietverhältnisse findet Ihr bei Home Insider unter Mieten & Vermieten.
Was bedeutet der technische Maßnahmenwert?
Besonders wichtig ist der technische Maßnahmenwert für Legionellen. Er liegt nach der Trinkwasserverordnung bei:
100 koloniebildenden Einheiten je 100 Milliliter Wasser – kurz 100 KBE/100 ml.
Wird dieser Wert bei einer systemischen Untersuchung erreicht, entstehen für den Betreiber konkrete Prüf- und Handlungspflichten. Dazu gehören unter anderem die Untersuchung möglicher Ursachen und gegebenenfalls technische oder organisatorische Maßnahmen.
Ein einzelner niedriger Messwert bedeutet allerdings nicht automatisch, dass an jeder Stelle einer komplexen Installation keinerlei Risiko besteht. Entscheidend ist deshalb der hygienisch einwandfreie Betrieb der gesamten Anlage.
| Situation | Wer sollte handeln? | Sinnvolle Maßnahme |
|---|---|---|
| Selten genutzter Wasserhahn | Mieter | Entnahmestelle regelmäßig verwenden |
| Rückkehr nach mehrtägiger Abwesenheit | Mieter | Wasser ablaufen lassen, bis es kühl und temperaturstabil austritt |
| Kaltwasser wird dauerhaft auffällig warm | Vermieter/Eigentümer | Installation und mögliche Wärmeübertragung fachlich prüfen lassen |
| Warmwasser erreicht notwendige Temperaturen nicht | Vermieter/Eigentümer | Warmwasserbereitung, Zirkulation und hydraulische Verhältnisse prüfen lassen |
| Untersuchungspflichtige Großanlage | Betreiber | Vorgeschriebene Legionellenuntersuchungen veranlassen |
| Technischer Maßnahmenwert erreicht | Betreiber | Vorgaben der Trinkwasserverordnung beachten und Ursache fachlich klären lassen |
Vermieter können Bewohner zusätzlich über den richtigen Umgang mit der Trinkwasserinstallation informieren – beispielsweise vor Ferienzeiten.
Dabei sollte klar zwischen dem Nutzerverhalten der Mieter und den technischen beziehungsweise gesetzlichen Pflichten des Betreibers unterschieden werden. Regelmäßige Wasserentnahme kann Stagnation reduzieren. Technische Mängel an der zentralen Anlage lassen sich dadurch jedoch nicht beheben.
Können automatische Spülsysteme bei längerer Abwesenheit helfen?
In größeren oder komplexeren Gebäuden kann der regelmäßige Wasseraustausch technisch unterstützt werden.
Elektronische Armaturen und Wassermanagement-Systeme können beispielsweise so programmiert werden, dass nach vorgegebenen Zeiträumen automatisch Wasser fließt. Dadurch lassen sich längere Stagnationsphasen an entsprechend ausgestatteten Entnahmestellen reduzieren.
Solche Systeme ersetzen jedoch weder eine fachgerecht geplante Trinkwasserinstallation noch vorgeschriebene Untersuchungen.
Auch Temperaturprobleme lassen sich durch automatisches Spülen allein nicht zwangsläufig lösen. Erwärmt sich Kaltwasser beispielsweise aufgrund einer ungünstigen Leitungsführung oder Wärmeübertragung dauerhaft, muss die technische Ursache untersucht werden.
Dasselbe gilt, wenn das Warmwassersystem die notwendigen Temperaturen nicht erreicht.
Trinkwasserhygiene: Was Mieter selbst kontrollieren können
Mieter müssen keine Experten für Trinkwasserinstallationen werden. Einige Auffälligkeiten lassen sich dennoch im Alltag erkennen.
Auffällig warmes Kaltwasser
Kommt aus dem Kaltwasserhahn auch nach längerem Ablaufen dauerhaft ungewöhnlich warmes Wasser, sollte das nicht ignoriert werden.
Mieter können die Hausverwaltung oder den Vermieter darauf hinweisen. Die technische Ursache sollte anschließend fachlich geprüft werden.
Zu niedrige Warmwassertemperaturen
Auch deutlich zu niedrige Warmwassertemperaturen können auf Probleme innerhalb der Anlage hindeuten.
Die genaue hygienische Bewertung gehört jedoch in die Hände von Fachleuten.
Selten genutzte Wasserhähne nicht vergessen
Besonders leicht vergessen werden:
- Gäste-WCs,
- Badewannen,
- zweite Duschen,
- zusätzliche Waschbecken,
- Entnahmestellen in wenig genutzten Räumen.
Wer eine Wohnung dauerhaft nur teilweise nutzt, sollte berücksichtigen, dass die Trinkwasserinstallation auf einen regelmäßigen Wasseraustausch ausgelegt ist.
Lange ungenutzte Leitungsabschnitte können hygienisch problematisch werden.
Bei einem bestätigten Legionellenbefund gelten die konkreten Anweisungen des Vermieters, des Gesundheitsamtes beziehungsweise der beteiligten Fachstellen.
Bewohner sollten nicht versuchen, eine belastete zentrale Trinkwasserinstallation allein durch besonders langes Spülen zu sanieren. Notwendige Maßnahmen müssen fachlich geplant und ihr Erfolg anschließend kontrolliert werden.
Häufige Fragen zur Trinkwasserhygiene
Bei welcher Temperatur vermehren sich Legionellen besonders stark?
Besonders günstige Wachstumsbedingungen bestehen ungefähr zwischen 25 und 45 °C. Bei deutlich niedrigeren Temperaturen verlangsamt sich die Vermehrung stark. Bei mehr als 55 °C vermehren sich Legionellen nicht mehr.
Wie warm darf Kaltwasser im Mehrfamilienhaus werden?
Kaltwasser sollte innerhalb der Trinkwasserinstallation möglichst kühl bleiben. 25 °C gelten als wichtiger technischer Orientierungswert. Wird Kaltwasser dauerhaft auffällig warm, sollte die Ursache fachlich geprüft werden.
Wie heiß sollte Warmwasser sein?
Bei entsprechenden Großanlagen sollte das Warmwasser am Austritt des Trinkwassererwärmers mindestens 60 °C erreichen. Innerhalb des Leitungssystems sollte die Temperatur in der Regel nicht unter 55 °C fallen.
Was sollte nach dem Urlaub mit dem Leitungswasser geschehen?
Nach einer mehrtägigen Stagnation sollte das stehende Wasser zunächst ablaufen. Als praktische Orientierung gilt: den Wasserhahn vollständig öffnen und so lange laufen lassen, bis das Wasser wieder kühl austritt und sich seine Temperatur nicht mehr verändert.
Müssen Vermieter das Trinkwasser auf Legionellen testen?
Nicht jedes Wohngebäude unterliegt automatisch derselben Untersuchungspflicht. Bestimmte größere Anlagen zur Trinkwassererwärmung in vermieteten Gebäuden müssen regelmäßig auf Legionellen untersucht werden. Entscheidend sind unter anderem Größe, Aufbau und Nutzung der Anlage.
Sind Legionellen beim Trinken gefährlich?
Der typische Infektionsweg ist das Einatmen legionellenhaltiger Aerosole, beispielsweise beim Duschen. Das Trinken von belastetem Wasser gilt dagegen nicht als typischer Übertragungsweg. Möglich ist eine Infektion unter bestimmten Umständen auch dann, wenn Wasser versehentlich in die Atemwege gelangt.
Das Wichtigste zur Trinkwasserhygiene im Sommer
Sommerhitze und längere Abwesenheit können die Bedingungen innerhalb einer Trinkwasserinstallation verändern. Besonders wichtig sind deshalb drei Grundregeln:
Kaltwasser sollte kühl bleiben, Warmwasser ausreichend heiß sein und Wasser regelmäßig ausgetauscht werden.
Mieter können durch die regelmäßige Nutzung aller Entnahmestellen und richtiges Verhalten nach dem Urlaub dazu beitragen, lange Stagnationszeiten zu vermeiden. Werden Kaltwasserleitungen dauerhaft auffällig warm oder erreicht das Warmwasser nicht die erforderlichen Temperaturen, ist dagegen der Vermieter beziehungsweise Betreiber gefragt.
Wer Leitungswasser im Alltag mit Flaschenwasser vergleichen möchte, findet dazu unseren Ratgeber Flaschen schleppen oder Hahn aufdrehen: Welches Wasser besser zu Eurem Alltag passt.



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